Date

Mrz 01 2021

Time

19:30 - 21:00
Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen

Karl Korsch: Marxismus ohne Dogma

Karl Korsch wurde am 15. August 1886 in Totstedt geboren. Seine Kindheit verlebte er in Meiningen. Am 21. Oktober 1961 verstarb er in Belmont/Massachusetts.

Karl Korsch gilt als einer der bedeutendsten linken Intellektuellen der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Trotzdem ist er heute fast vergessen, vor allem im Osten Deutschlands. Dies hat Gründe. Als politisch engagierter Intellektueller spielte er eine herausragende Rolle vor allem in den ersten Jahren der Weimarer Republik.
Er studierte als Teil der freistudentischen Bewegung in Jena Jura, war Mitglied des Meininger Arbeiter- und Soldatenrats, verfasste Gutachten für die Sozialisierungskommission, und wurde Mitglied der USPD, später der KPD, die ihn – im Zuge der Stalinisierung der Partei – 1926 ausschloss.

1923 verfasste er eines jener Werke, die bis heute als grundlegend für den „westlichen Marxismus“ (Maurice Merlau-Ponty) gelten: Marxismus und Philosophie. Im selben Jahr organisierte er mit anderen die sogenannte „Erste Marxistische Arbeitswoche“, die im Bahnhofshotel von Geraberg in Thüringen stattfand. Sie gilt als die eigentliche Grün-dungsveranstaltung der „Frankfurter Schule“.

Als KPD Mitglied der sogenannten Thüringer Arbeiterregierung war er Justizminister im Freistaat. Seine unnachgiebige Haltung gegenüber den diktatorischen Entwicklungstendenzen in der UdSSR der Zwanzigerjahre, brachten ihn in scharfen Gegensatz zum Parteikommunismus Thälmannscher und Ulbrichtscher Prägung. Sein bestimmender Einfluss auf die Entwicklung eines antistalinistischen Marxismus machte ihn zur Persona non grata gerade auch in der DDR. Hier wurde gar geleugnet, dass Korsch, der seit Ende der Zwanzigerjahre eng mit Bertolt Brecht befreundet war, maßgeblichen Einfluss auf die brechtsche Rezeption des Marxismus hatte. Wo andere doktrinär am „Weltanschauungsmarxismus“, dem Religionsersatz der II. und III. Internationale festhielten, versuchte Korsch sein Leben lang, „den Marxismus auf sich selbst anzuwenden“. Dies hatte nachhaltige Wirkungen auf gesellschaftskritisches Denken nach 1945.

Den Vortrag hält Uwe Roßbach. Er ist Sozialwissenschaftler, Geschäftsführer von Arbeit und Leben Thüringen und Mitglied des geschäftsführenden Landesvorstands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Thüringen.