Date

Apr 29 2021

Time

19:30 - 20:30
bpb - Bundeszentrale für politische Bildung

Über den Umgang mit der kolonialen Vergangenheit in Deutschland und Frankreich – Eine Bestandsaufnahme

Es tut sich etwas: Sowohl in Deutschland als auch in Frankreich wird aktuell öffentlich und intensiv über den richtigen Umgang mit der eigenen kolonialen Vergangenheit diskutiert.

Frankreich erwarb die ersten Kolonien im 16. Jahrhundert und wurde im 19. Jahrhundert zur zweitgrößten Kolonialmacht der Welt; erst in den 1950er und 1960er Jahren wurden die meisten französischen Kolonien unabhängig. Aber auch die deutsche Kolonialgeschichte beschränkt sich nicht, wie oft behauptet wird, auf die gut dreißig Jahre zwischen 1885 und 1919, in denen das Deutsche Reich zur drittgrößten Kolonialmacht in Afrika aufstieg. Neuere Forschungen thematisieren u. a. die Bedeutung von Vorläufern im 17. und 18. Jahrhundert, die unzweifelhafte Partizipation an einer “kolonialen Globalität” (Sebastian Conrad) sowie den bis weit in die 1940er Jahre hineinreichenden “Kolonialrevisionismus”.

Aktuell stellen sich Deutschland und Frankreich Schritt für Schritt dem Erbe des Kolonialismus und fragen nach dessen Relevanz für die Gegenwart. Der französische Staatspräsident beauftragte im vergangenen Jahr den Historiker Benjamin Stora mit einer “gerechten und präzisen Bestandsaufnahme” des Umgangs von Frankreich mit seiner Kolonialgeschichte sowie des Algerienkriegs. Seit Januar 2021 liegen dessen (zum Teil sehr weit gehende) Empfehlungen vor. In Deutschland ist die Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus seit 2018 erstmals auch Regierungsauftrag.

Das war nicht immer so: Die Initiativen entstanden in beiden Ländern eher “von unten”, wie jüngst erneut die Forderung nach Umbenennung von Straßen in Berlin im Zuge der “Black Lives Matter”-Bewegung bezeugte. Die großen Fragen nach einer kolonialen Gedenkkultur, nach einer gerechten Lösung in der Frage der Restitution von Kulturgütern und einer angemessenen politischen Aufarbeitung des Völkermordes an den Herero und Nama sind längst nicht gelöst. In Frankreich gibt es nach wie vor tiefe Gräben zwischen Befürworter/-innen und Kritiker/-innen des Kolonialismus, die auch die politische Landschaft prägen.

Im Rahmen des bpb:forums digital am 29. April 2021 diskutieren:

  • Prof. Nicolas Bancel, Historiker, Professor an der Université de Lausanne
  • Boubacar Boris Diop, Schriftsteller, Journalist und Drehbuchautor
  • Bebero Lehmann (angefragt), Historikerin, Journalistin, Referentin für (post)koloniale Stadtrundgänge durch Köln
  • Prof. Carola Lentz, Seniorforschungsprofessorin, Institut für Ethnologie und Afrikastudien, Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Präsidentin des Goethe-Instituts

mit Konstanze Fischer (Deutsche Welle) über Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Umgang mit der kolonialen Vergangenheit in beiden Ländern.

Ziel ist es, im Austausch miteinander, neue Anregungen und Perspektiven zu gewinnen. Dabei sollen keine abschließenden historischen Urteile über politisch umstrittene Fragen gefällt werden. Es geht vielmehr darum, dem langen Schatten der kolonialen Vergangenheit bis in unseren Alltag hinein nachzuspüren (z.B. rassistische Ressentiments), koloniale Kontinuitäten sichtbar zu machen (z.B. die Auswirkungen auf Fragen zu Migration und Integration oder die Gestaltung von Handelsbeziehungen) und die Chancen einer grenzübergreifenden Behandlung des Themas zu reflektieren. Die afrikanische Perspektive darf dabei nicht unberücksichtigt bleiben, denn es geht immer auch darum, die Voraussetzungen für ein besseres gegenseitiges Verständnis zu schaffen.

 

Termin

29.04.2021, von 19:30 bis 20:30

Für

alle, die den Einfluss der Geschichte auf die Gegenwart besser begreifen wollen und sich für den deutsch-französischen Dialog interessieren

Veranstalter

Bundeszentrale für politische Bildung/bpb
Centre Ernst Robert Curtius (CERC) der Universität Bonn
Institut français Bonn

Anmeldung

Teilnahmegebühr: keine

Bitte melden Sie sich bis zum 29.4.2021 um 17 Uhr an.

Nachdem Sie sich für die Veranstaltung registriert haben, bekommen Sie die Zugangsdaten zur Zoom-Veranstaltung automatisch zugeschickt.

Wir weisen darauf hin, dass die Teilnehmenden der digitalen Veranstaltung den Onlinedienst Zoom in eigener Verantwortung nutzen. Wir machen auch darauf aufmerksam, dass der Anbieter Zoom die Daten seiner Nutzenden entsprechend seiner Datenschutzrichtlinien abspeichert. Die bpb hat keinen Einfluss auf Art und Umfang der durch den Anbieter Zoom erarbeiteten Daten, die Art der Verarbeitung und Nutzung oder die Weitergabe dieser Daten an Dritte. Selbst bei Vorliegen einer Auftragsverarbeitung im Sinne des Art. 28 DSGVO hat die bpb keine abschließende Kontrollmöglichkeit.

Für die detaillierte Darstellung der Verarbeitungsformen verweisen wir auf die Datenschutzerklärung und Angaben des Anbieters Zoom: https://zoom.us/de-de/privacy.html

Noch mehr Informationen zum Datenschutz bei der bpb erhalten Sie hier: https://www.bpb.de/datenschutz

Hinweis zur Veranstaltungssprache

Die Diskussion findet als Zoom-Veranstaltung in deutscher und französischer Sprache statt (mit Simultanübersetzung). Sie können nach dem Beitritt zur Veranstaltung eine Sprache auswählen.

Kontakt

Bundeszentrale für politische Bildung
kommunikation@bpb.de

Pressekontakt

Journalistinnen und Journalisten wenden sich bitte an die Pressestelle.