Datum

Dez 13 2022

Uhrzeit

18:00 - 20:00
Bildungsstätte Anne Frank

Nazi-Erbe in der Kunstwelt Antisemitische Kontinuitäten seit der NS-Zeit

Der Kulturbetrieb ist ein Konfliktherd, das zeigte die documenta fifteen wie unter einem Brennglas. Doch während der Antisemitismus der Künstler*innen aus dem Ausland wochenlang diskutiert wurde, trat eine andere Debatte in den Hintergrund: Der Umgang mit deutschem Kapital und Besitz aus der NS-Zeit. Die Verfolgung, Enteignung und Ermordung von Jüdinnen und Juden wirkt auch in der Kunstwelt nach: Unzählige Kunstwerke wurden ihren jüdischen Eigentümer*innen entrissen und in den Besitz öffentlicher Museen und privater Händler gebracht. Mit diesem Nazi-Erbe gehen Kulturinstitutionen, Einzelpersonen und Galerien jedoch selten transparent um.

Dabei sind die antisemitischen Kontinuitäten in der Kunstwelt zahlreich und deutlich. Sie reichen etwa von der #Nazihintergrund-Debatte um Erb*innen und Kunstsammler*innen, über die NS-Geschichte der documenta und die Verharmlosung antisemitischer und rechtspopulistischer Spender für das Berliner Humboldt-Forum bis hin zu antisemitischen Werken an Orten wie der Staatlichen Kunstsammlung Dresden.

Mit einem digitalen Podium will die Bildungsstätte Anne Frank die Auswirkungen von Nazi-Erbe und Antisemitismus auf kuratorische und institutionelle Praktiken in der deutschen Kunst- und Kulturlandschaft diskutieren: Wie profitiert die gegenwärtige Kulturelite von NS-Kapital? Wie gehen Kulturinstitutionen mit Forderungen nach Aufarbeitung und Wiedergutmachung um? Wer wird wie in Diskurse und kuratorische Konzepte eingebunden? Und schließlich: gibt es überhaupt einen in die kulturelle Arbeitspraxis hineinwirkenden Umgang mit dem Nazi-Erbe, der über das reine Besprechen von Antisemitismus hinausreicht?

Mit:
Gürsoy Doğtaş, Kurator und Autor
Raphael Gross, Präsident Deutsches Historisches Museum
Leon Kahane, Künstler

Moderation:
Julia Y. Alfandari, Leitung Politische Bildung, Bildungsstätte Anne Frank