Date

Mai 27 2021

Time

19:00 - 21:00

Cost

kostenfrei
AStA Uni Hannover

»Dann mach halt ‘ne Anzeige!« Patriarchatskritik und Rechtssystem

Vortrag und Diskussion mit Koschka Linkerhand

Das deutsche Rechtssystem erhebt den Anspruch, geschlechtsneutral zu sein. Grundgesetz und Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz besagen eindeutig, dass Justitia nicht hinter ihrer Augenbinde hervorspähen darf, ob Beschuldigte und Angeklagte eines Strafverfahrens männlich, weiblich oder divers sind.
Dass das nicht der Realität entspricht, zeigt die Tatsache, dass nur 8,4 % der Frauen, die 2012 Anzeige wegen Vergewaltigung erstatteten, die Verurteilung des Täters erlebten. Femizide – Morde an Frauen aufgrund ihres Geschlechts – werden regelmäßig als Totschlag, nicht als Mord geahndet. Dazu werden die Taten in der öffentlichen Wahrnehmung häufig verharmlost, der Täter wird pathologisiert bzw. rassifiziert oder dem Opfer wird eine Mitschuld zugesprochen.
Wie kann es sein, dass der grundsätzlichen juristischen Geschlechtsblindheit eine oftmals patriarchale Gesetzgebung und Rechtsprechung gegenüberstehen?

Der Vortrag beleuchtet unsere Gesellschaft als kapitalistisches Patriarchat, das sich konstitutiv im Widerspruch zwischen der Gleichheit aller Bürger_innen und den spaltenden Ideologien Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus befindet. Dadurch wird der Status von Frauen als Rechtssubjekten immer wieder in Frage gestellt. Am Umgang mit patriarchaler Gewalt wird das sehr deutlich.

Der Vortrag ist kein juristischer Fachvortrag, sondern nimmt die Perspektive einer feministischen Patriarchatskritik ein.

Koschka Linkerhand ist Autorin und materialistische Feministin. Sie ist Herausgeberin des 2018 veröffentlichten Sammelbands „Feministisch Streiten“ und Autorin des im gleichen Jahr erschienen historischen Romans „Die Irrfahrten der Anne Bonnie“. Sie ist Redaktionsmitglied der feministischen Zeitschrift „outside the box“.
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Dieser Vortrag ist Teil einer Veranstaltungsreihe zu struktureller Geschlechterungleichheit innerhalb des Rechtssystems, dem mit kritisch-juristischen und feministischen Perspektiven begegnet werden soll. Sie richtet sich sowohl an (angehende) Jurist:innen als auch an fachfremde Interessierte. Alle Veranstaltungen finden online statt und sind kostenfrei zugänglich.